Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg
Sie sind hier: HomeBest PracticeBeispiele

GRÜNFINDER

 

Ein Naturpädagogisches Angebot im Sozialraum

 
 
Kommune: Alb-Donau-Kreis, Landkreis Neu-Ulm, Ulm
 
Einwohnerzahl: 193.109 Einwohner / 170.000 Einwohner / 122.636 Einwohner
 
Träger/Kooperierende Akteure: Kinderstiftung Ulm/Donau-Iller
 
Startjahr: 2016
 

Wachsen Kinder in Armut auf, haben sie deutlich geringere Chancen, ihre Fähigkeiten zu entfalten. Daher will die Kinderstiftung Ulm/Donau-Iller Kinderarmut verhindern. Sie fördert und entwickelt Projekte zur Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen. Sie unterstützt benachteiligte Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren aus der Region Ulm/Donau-Iller und fördert dabei unabhängig von Herkunft, Kultur, Sprache und Konfession. Die Stiftung fördert Projekte hauptsächlich in den Bereichen Bildung, Kultur, Gesundheit und Sport und leistet Direkthilfe für in Not geratene Kinder und Jugendliche, wenn beispielsweise Geld für Mittagessen, Kleidung oder Kindermöbel fehlt. Die Kinderstiftung initiiert außerdem eigene Projekte, um die Lebensumstände von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern.

 

Um die Entwicklungschancen von Kindern in benachteiligten Quartieren zu verbessern, haben wir  das eigene Projekt GRÜNFINDER entwickelt. Mit dem Angebot wollen wir verschiedene Dimensionen der kindlichen Entwicklung fördern:

  • Körperliche Entwicklung und Gesundheit (z.B. durch Aufenthalt und Bewegung in der Natur, bei Wind und Wetter).
  • Kognitive Entwicklung, Bildung, Sprachfähigkeit (z.B. Natur entdecken und erforschen, Zusammenhänge verstehen und sich mit anderen austauschen).
  • Soziale und emotionale Entwicklung (z.B. durch das Erleben in der Gruppe und das Umgehen mit anderen Kindern).
  • Freizeitgestaltung, Spielen (z.B. in und mit der Natur, Naturspielplatz oder Waldwohnzimmer einrichten, Schnitzen, Baumpatenschaft pflegen).
  • Persönlichkeitsentwicklung und Selbstwert (z.B. indem die Kinder selbst aktiv werden und mitbestimmen können).

Über die Lobbyarbeit für benachteiligte Kinder möchten wir die Aufmerksamkeit auf ihre Lebenswirklichkeit lenken und weiteres Engagement fördern.

 

Wir richten uns in erster Linie an Grundschulen mit auffallend vielen sozialen Problemlagen. Ein wichtiger Indikator dafür ist ein hoher Anteil von Kindern, die mit ihren Familien von  Transferleistungen des Jobcenters leben. Die finanziellen Einschränkungen sind in diesen Familien oft verbunden mit einem geringen Zugang zu Bildung, erhöhtem Medienkonsum und einem Mangel an körperlicher Bewegung.


GRÜNFINDER Kinder erleben, entdecken und erforschen die Natur, direkt vor Ort im familiären Lebensraum. Mit Grünfinder möchten wir möglichst viele Kinder dazu einladen, die Natur und Umgebung in unmittelbarer Nähe des eigenen Umfelds und der Schule zu entdecken und zu erforschen. Es geht um aktive, sinnvolle, gesunde Freizeitgestaltung. Gestaltet werden die Zeiten von Naturpädagoginnen, sie erforschen mit den Kindern, wo man gut draußen spielen kann, wie sich Bäume im Lauf der Jahreszeiten verändern, wie man am besten zum Wald, zur Wiese, zum Bach kommt usw..
 

Angebote und UmsetzungsschritteDas Projekt GRÜNFINDER ist ein naturpädagogisches Angebot im Sozialraum zur Förderung von benachteiligten Kindern. Die direkte Naturerfahrung ermöglicht Kindern das Erforschen der Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Eingebunden in das Ganztagesangebot an Grund- und Gesamtschulen wird an einem Nachmittag in der Woche den Kindern ein GRÜNFINDER-Nachmittag angeboten.


Für das Projekt arbeitet die Kinderstiftung Ulm/Donau-Iller mit erfahrenen Erlebnis- und Naturpädagogen zusammen. Die pädagogische Grundhaltung orientiert sich an Zielen und Inhalten einer Pädagogik im Naturraum sowie an den Zielen und Inhalten eines sozialraumorientierten Vorgehens. Die Grünfinder sind in den Alltag der Kinder eingebunden und sichern somit auch ein nachhaltiges Erleben und Lernen. Die Kinder lernen das eigene Lebensumfeld aus neuen Perspektiven kennen und können die Aktivitäten später auch wiederholen.


Grünfinder sind immer eine Gruppe von 12 Kindern. Zu Beginn begrüßen sich die Kinder mit einem Lied und erhalten eine Einführung in das geplante Thema. Das kann eine Rallye im nahegelegenen Wald oder Park sein oder sie erforschen Bäume und Pflanzen und produzieren daraus beispielsweise Kastanienseife oder Musikinstrumente.


Wenn es thematisch passt, wird die Gruppe auch von einem Imker, einer Försterin oder einem Schreiner begleitet. Alle Kinder sind mit einer Forscherausrüstung ausgestattet. Dazu gehören ein gepackter Rucksack mit Sitzmatte, Becherlupe, Bestimmungshilfen, Sammeltaschen, ein Maßband und ein Naturtagebuch. Darin halten die Kinder ihre Erlebnisse fest. Die Schulen stellen den Grünfindern Räumlichkeiten beispielsweise zum Werken und Kochen zur Verfügung. Die Aktivitäten an sich finden jedoch bei jedem Wetter in der freien Natur statt.


Projektinformation
Die Grünfinder wenden sich an Grund- und Gesamtschulen der Region Ulm, Neu-Ulm und Alb-Donau-Kreis. Das Projekt ist für ein halbes Schuljahr angelegt, wobei der Zeitraum verlängert werden kann. Zum Auftakt eines Projekts werden die Eltern der Kinder informiert.  Erfahrungen und Erlebnisse aus den Grünfinderprojekten könne in der eigenen Familie wiederholt werden können. Als Abschluss präsentieren die Grünfinder in einer kleinen Ausstellung ihre Materialien und Produkte.

 

Aktuell wird das Projekt an sechs Schulen durchgeführt. Am SBBZ Schöne Lau Schule Blaubeuren, an der Eduard-Mörike-Schule, eine gebundene Ganztagesschule in Blaustein, in der Grundschule Dietenheim, der Längenfeldschule in Ehingen, der Grundschule Stadtmitte in Neu-Ulm und an der Martin Schaffner Grundschule in Ulm gibt es bereits Grünfinder. Die Gruppen treffen sich wöchentlich und bestehen aus zwölf Kindern, einer Naturpädagogin und einer pädagogischen Kraft. Bisher nehmen sechs Grünfinder-Gruppen mit insgesamt 68 Kindern an GRÜNFINDER teil. Das Projekt soll in den nächsten Jahren auf bis zu 20 Schulen ausweiten werden.


Die Kinderstiftung Ulm/Donau-Iller schult eigene GRÜNFINDER-Gruppenleitungen über einen Zeitraum von einem Jahr mit 70 Stunden. Inhalte sind: Konzeptionelle Umsetzung von GRÜNFINDER, Naturpädagogik unter Berücksichtigung der Jahreszeiten, Grundlagen der Pädagogik, rechtliche Grundlagen, Sozialraumorientierung und Partizipation von Kindern.

 

Ergebnisse und AuswirkungenGRÜNFINDER-Kinder werden gestärkt in ihrem Selbstwert, im Vertrauen in die eigene Fähigkeiten, in ihrer körperlichen, kognitiven, sozialen, emotionalen und kulturellen Entwicklung und in ihrer ganzen Persönlichkeit.
GRÜNFINDER-Kinder sind freudig und begeistert dabei und lernen mit leuchtenden Augen ihre Umgebung neu kennen.


GRÜNFINDER-Kindern werden neue Welten eröffnet und sie erwerben ein breites Spektrum an bisher unbekannten Möglichkeiten sich auszuprobieren. Die Schule wird als Lebensraum gestaltet, der mehr bietet als reine Wissensvermittlung und der genutzt werden kann, um die eigene Freizeit sinnvoll zu verbringen.


GRÜNFINDER-Kinder lernen, dass Bewegung, draußen sein, frische Luft, geschärfte Sinne, Pflanzen und Tiere beobachten oder den Sozialraum erforschen und Mitbestimmung ein Teil ihres Alltags sind.


GRÜNFINDER-Kinder werden stark und unabhängiger von ihren einschränkenden Lebensbedingungen, indem sie ihren Blick für die Natur öffnen, über sie staunen und selbstwirksam tätig werden. Die erschlossenen Nah-Räume können sie nun auch mittags oder in den Ferien aufsuchen und Erlerntes anwenden.

 

Inwieweit es innerhalb des Projekts GRÜNFINDER gelingt, die gesetzten Ziele umzusetzen, wird aktuell durch die Hochschule Ravensburg-Weingarten evaluiert.

 

FinanzierungEigenmittel der Kinderstiftung Ulm Donau-Iller, Schulpatenschaften, Anschubfinanzierung zur Projektverbreiterung durch Herzenssache e.V.

 

InfomaterialFaltblatt Grünfinder

 
Kontakt
Anna Bantleon
Telefon: 0731-206 326
 
Zurück