Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg
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Mehrgenerationenhaus Heller Wohnen in Schwäbisch Hall

 

Generationenübergreifendes Wohnen mit Zukunftsperspektive

 
 
Kommune: 74523 Schwäbisch Hall
 
Einwohnerzahl: 38.827 Einwohner
 
Träger/Kooperierende Akteure: Eigentümergemeinschaft in Kooperation mit Genossenschaft (Rechts- und Organisationsform), Gemeinnütziger Verein Heller Wohnen in Schwäbisch Hall e.V
 
Startjahr: 2002
 

Immer mehr Menschen, auch in Baden-Württemberg, leben allein und oft fehlt besonders Singles und Senioren der Kontakt zu Nachbarn oder die Einbindung in ein soziales Netzwerk. Das Wohnprojekt „Heller Wohnen“ soll ihnen die Möglichkeit bieten, Teil einer Gemeinschaft zu sein und durch den ständigen Kontakt zu anderen Menschen jeden Alters angeregt, aktiv und geistig fit zu sein. Auch Familien mit Kindern finden im Wohnprojekt Anschluss und profitieren von der hilfsbereiten und gemeinschaftlichen Atmosphäre.


Das Ziel des Wohnprojektes und des Vereines ist es, gemeinschaftliches Zusammenleben mehrerer Generationen zu fördern und Wohnräume zu schaffen, die den Mitgliedern in allen Lebenssituationen gut tun und ihnen auch bei Krankheit und schwerer Pflegebedürftigkeit ermöglichen im Wohnprojekt zu bleiben. Das Projekt richtet sich an Menschen aller Altersgruppen, die das generationenübergreifende, gemeinschaftliche Wohnen befürworten und aufgeschlossen gegenüber gemeinsamen kulturellen, sozialen und gesundheitlichen Aktivitäten sind.

 

Angebote und UmsetzungsschrittePlanungsphase
Nach einer Volkshochschulveranstaltung zum Thema „Warum einsam? Lieber gemeinsam!“ im November 2002 bildete sich eine Initiativgruppe, die sich mit alternativem Wohnen in Schwäbisch Hall beschäftigte. Angeregt durch die Besuche verschiedener Wohnprojekte klärten sich bei den Teilnehmer/innen die Bedürfnisse und Zielvorstellungen. Nach einer gemeinsamen Zukunftswerkstatt wurde konsequent an einer Konzeption „Gemeinschaftliches Wohnen für Jung und Alt“ gearbeitet. Danach trat die Gruppe der Wohngenossenschaft „pro.. gemeinsam bauen und leben „ bei, um mit ihr gemeinsam das Wohnprojekt „Heller Wohnen“ zu planen. Die Genossenschaft sollte auch die gewünschten Mietwohnungen bauen. Ein passendes Grundstück konnte mit Hilfe der Stadt gefunden werden. Da trotz der abgeschlossenen Planung noch weitere Mitstreiter fehlten, gab es in den Jahren 2008/2009 zahlreiche Informationsveranstaltungen. Ende 2009 war die Realisierung und die Finanzierung des Projektes gesichert und die Planungsgruppe gründete zusätzlich den Verein „Heller Wohnen in Schwäbisch Hall e.V.“, der als juristische Person helfen sollte, das Projekt in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, für Ideen des Generationenzusammenhaltes zu werben und entsprechende Initiativen zu unterstützen.

 

Bauphase
Im Dezember 2009 wurde der Kaufvertrag für das Grundstück unterschrieben und die Baugemeinschaft entstand. Im März folgte der Spatenstich und bereits im November 2010 konnte das Richtfest gefeiert werden. Ein Jahr später stand der barrierefreie, Niedrigenergie - Gebäudekomplex, der aus vier Teilen besteht, die mit Laubengängen verbunden sind. Die drei Wohngebäude bestehen aus 22 Wohneinheiten mit unterschiedlichen Zuschnitten und verschiedener Größe (von 45 m² bis 106 m²). Sie bieten Platz für etwa 40 Bewohner und Bewohnerinnen. Der vierte Gebäudeteil ist das Gemeinschaftshaus mit Kommunikationsräumen und Küche, sowie einem Gästeappartement und mit einer Dachterrasse. Die gestalteten Freiflächen um den Gebäudekomplex bieten zusätzlich Raum für Begegnungen und Aktivitäten.

 

Wohnphase
Nach und nach zogen die Bewohner/innen in ihre fertigen Wohnungen, und im Juli 2012 fand die offizielle Einweihungsfeier statt. Zwei der Wohneinheiten werden als Wohngemeinschaften an junge Menschen und Studenten vermietet, können allerdings bei Bedarf zu Pflegewohngemeinschaften umgestaltet werden, so dass das lebenslange Wohnen im Wohnprojekt, selbst bei starker Pflegebedürftigkeit möglich ist. Insgesamt setzen sich die Bewohner/innen aus Eigentümern und Mietern im Alter von etwa 4 bis 85 Jahren zusammen, die alle auch Vereinsmitglieder sind und über dieselben Rechte und Pflichten innerhalb der Gemeinschaft verfügen.

 

Ergebnisse und AuswirkungenDie Wohngemeinschaft trifft sich alle vierzehn Tage zur Hausgemeinschaftssitzung, hier werden wichtige und aktuelle Themen besprochen und Vorhaben geplant. Bei Meinungsverschiedenheiten und Konflikten wird nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, wie z.B. Einzelgespräche, Einleitung eines Konsensverfahrens oder auch Mediation von außen.

 

Neben diesen Sitzungen gibt es weitere regelmäßige Veranstaltungen wie Yoga, Gymnastik, Filmabende, hausinterne Kneipe u.a. Gelegentlich werden auch Feste, Ausflüge, Reisen und andere Aktivitäten vorbereitet. Um den Kontakt zur weiteren Nachbarschaft zu pflegen, werden die Familien der umliegenden Wohngegend häufig eingeladen, um an Spieleabenden, Puppentheater, Bastelarbeiten u.a. teilzunehmen.
Den Alltag organisieren die Mitglieder des Wohnprojekts in eigener Regie. Dazu gibt es Arbeitsgemeinschaften, an denen sich jede/r Bewohner/in je nach Fähigkeit beteiligt. So gibt es AGs, die sich um folgende Aufgaben kümmern: Garten, Gemeinschaftsräume, Müll, Technik, Hausverwaltung und anderes. Diese Tätigkeiten werden ehrenamtlich ausgeführt, sodass die laufenden Kosten für alle Bewohner und Bewohnerinnen gering bleiben.

 

Für die Realisierung eines solchen Projektes müssen vorab Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefunden werden, die nicht nur Interesse am gemeinschaftlichen Leben haben, sondern darüber hinaus bereit sind, über längere Zeit am Entstehen mitzuarbeiten. Auch die Finanzierung von Mietwohnungen stellt eine Hürde dar, zumal öffentliche Fördermittel, wie der soziale Wohnungsbau, zurück gefahren wurden. Um ein solches Wohnprojekt zu realisieren wird entweder ein passendes Gebäude oder eine Freifläche zur Bebauung benötigt. Das Gebäude sollte familien-, senioren- und behindertengerecht sein und neben verschieden großen Wohneinheiten auch über Möglichkeiten zur häuslichen Pflege verfügen. Unerlässlich sind Gemeinschaftsräume, die für Begegnungen, Besprechungen und gemeinsame Aktivitäten genutzt werden.
Der Standort muss eine umfassende, möglichst barrierefreie Infrastruktur bieten, wie Einkaufsmöglichkeiten, ärztliche Versorgung, Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, Schulen, Kindergärten etc.


FinanzierungDas Gebäude wurde durch Eigenkapital der Wohnungseigentümer finanziert, dabei ist die Baugenossenschaft „pro.. gemeinsam bauen und leben“ Eigentümer von drei Mietwohnungen. Laufende Kosten werden durch Umlage auf die Bewohner und Bewohnerinnen finanziert.

 

InfomaterialFlyer Heller Wohnen in Schwäbisch Hall

 
Kontakt
Heidrun Schaumann
 
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